Geschichte des Ärztehauses Blasewitz

Die Villa und ihre wechselnden Eigentümer

1849 Errichtung eines Sommerhauses für Otto Schneider, Besitzer der Löwenapotheke am Altmarkt. Auf dem 17.000 m² großen Areal wird die damals 4-jährige Blutbuche gepflanzt. Sie trotzte allen Wirrnissen der Zeit, seien es Überschwemmungen, Fällabsichten und Krankheiten. Heute, nach mehr als 168 Jahren, präsentiert sich die Blutbuche in voller Schönheit und ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

Ärztehaus Blasewitz, Blutbuche, 2016 Blutbuche, 2016

1891 – 1893 Errichtung des „Blauen Wunders“ in unmittelbarer Nähe des Anwesens.

Villa, um 1900Villa, um 1900

1907 Walter Schieck, der Enkel und Erbe des „Löwenapothekers“, später bis 1933 Ministerpräsident von Sachsen, lässt das damalige Haupthaus als prachtvolle Villa herrichten.

1933 – 1941 Walter Schieck, seines Amtes als Ministerpräsident von Sachsen durch die Nationalsozialisten enthoben, kann den Erhalt des Grundstückes nur mit Hilfe seines Bruders Prof. Schieck aus Würzburg sichern.

1941 Aus Geldnot wird das Anwesen zur Errichtung eines Lazaretts an das Polizeipräsidium Dresden verkauft.

1945 Nach den Bombenangriffen am 13./14. Februar werden hunderte von Verletzten und Obdachlosen medizinisch versorgt. In den letzten Kriegstagen wird das Gebäude geräumt.

8. Mai 1945 Sofort nach Einmarsch der Roten Armee wurde die sowjetische Kommandantur im Hause einquartiert.

1948 Eröffnung der Poliklinik Blasewitz als Nebenstelle des damaligen Krankenhauses Dresden-Johannstadt. Betreuung von ca. 80.000 Einwohnern aus Stadt und Umland.

Villa, um 1960Villa, um 1960


Erweiterung der Poliklinik

Villa, um 1971Villa, um 1971

1973 – 1976 Bau des neuen 6-geschossigen Hauptgebäudes. Die Baustelle gilt als Lehrlingsbaustelle und Vorzeigeobjekt.

Poliklinik Blasewitz, Eröffnung des Hauptgebäudes 1976Poliklinik Blasewitz, Eröffnung des Hauptgebäudes 1976

1976 Unter Chefarzt Dr. Johannes Bernhardt werden der Neubau und die Villa als damals hochmoderne Poliklinik eingerichtet.

1977 Als größte Poliklinik Dresdens verfügt die Einrichtung über 40 ärztliche Arbeitsplätze und 13 Fachabteilungen. Ca. 260 Mitarbeiter sind angestellt.

Radiologie, ca. 1971Radiologie, ca. 1971

Poliklinik Blasewitz, 1976Poliklinik Blasewitz, 1976


Neue Zeiten bringen Veränderungen

1990 – 1992 Die Poliklinik wird zum Ärztehaus umstrukturiert und fast alle ehemaligen Poliklinik-Ärzte lassen sich freiberuflich nieder.

1993 Eröffnung der „Apotheke Am Blauen Wunder“.

1998 Ca. 20 Ärzte gründen die „Ärztehaus Am Blauen Wunder GbR“ und erwerben das Grundstück mit Hauptgebäude und Villa um sicherzustellen, dass auch weiterhin eine medizinische Nutzung gewährleistet wird. Es werden umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen und mehr als zwei Millionen DM investiert.

1998 Mit Gründung der „Ärztegemeinschaft Gautschweg GbR“ wird das Ärztehaus im Gautschweg 1a errichtet und eröffnet.

Errichtung von Haus 2 am Gautschweg, 1996Errichtung von Haus 2 am Gautschweg, 1996

2000 Ca. 50 Ärzte und 20 Fachabteilungen sowie zahlreiche medizinische Komplementär­einrichtungen gewährleisten eine Bandbreite an ärztlicher Versorgung, welche das Ärztehaus Blasewitz bei der Dresdner Bevölkerung und im Umland zu einem gefragten Standort macht.

2002 Trotz aller Bemühungen zahlreicher Helfer, tausender Sandsäcke und rund um die Uhr arbeitender Feuerwehrpumpen lässt die Jahrhundertflut im Untergeschoss des Hauptgebäudes das Wasser ca. 1,50 m hoch ansteigen. In Labor und Radiologie sind Schäden in Millionenhöhe zu verzeichnen. Zur Gewährleistung der ärztlichen Versorgung lässt die Radiologie mobile Technik aus England kommen und betreut die Patienten in Containern auf dem Hof.

2009 Um das ständig wachsende Parkproblem zu lösen, erwirbt die eigens dafür gegründete „Ärztehaus Am Blauen Wunder Parkplatz GbR“ das von der Stadt Dresden ausgeschriebene Grundstück zwischen Ärztehaus und Ortsamt und erweitert den Parkplatz auf insgesamt ca. 110 Stellplätze.

2012 Im Laufe der Jahre erfolgen zahlreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten, neue, schöne Praxen entstehen und das Ärztehaus Blasewitz wird bei einer Umfrage der Sächsischen Zeitung zum beliebtesten Ärztehaus in Dresden gekürt.

2013 Wieder kommt die Flut. Diesmal helfen die im Hochwassernotfallplan ausgearbeiteten Maßnahmen bei einer koordinierten Vorbereitung auf das kommende Wasser. Das Untergeschoss des Hauptgebäudes wird geräumt, alle Öffnungen werden abgedichtet – das Wasser bleibt draußen. Doch dann drückt das Grundwasser gegen die Bodenplatte und aus statischen Gründen muss geflutet werden. Es schmerzt, als die Feuerwehr das Kommando „Wasser marsch!“ gibt.

2016 Im Ärztehaus herrscht ständige Betriebsamkeit. So wie es die finanziellen Mittel erlauben, wird saniert, modernisiert, investiert. Und der ärztliche Betrieb läuft seinen gewohnten Gang. Immer im Dienste der Gesundheit bleibt das Ärztehaus Blasewitz weiterhin die Adresse Nr.1 bei allen Gesundheitsangelegenheiten.


Poliklinik / Ärztehaus Blasewitz seit 1948 – Eine kleine Erinnerung nach Recherchen im Archiv

Chronik 1951 Besondere Beachtung fand bei der Recherche in den Chroniken und Fotodokumentationen eine „Chronik der alten Villa“, welche, liebevoll gestaltet und mit sauberer Handschrift geschrieben, von einer Angestellten unbekannten Namens anlässlich der Weihnachtsfeier 1951 als Geschenk an die damalige Oberärztin Frau Dr. von Korff übergeben wurde.

Ärztehaus Blasewitz, Chronik (Ausschnitt)Ärztehaus Blasewitz, Chronik (Ausschnitt)

Die „Chronik der alten Villa“ beginnt mit folgenden Worten: „Wenn auch die Menschen uns betrogen und ließen uns so ganz allein. Die Arbeit hat uns nie belogen, sie soll uns Schutz und Heimat sein.“ Die nächste Seite ist eine Liebeserklärung oben besagter unbekannter Angestellten an die Klinik: „Ich liebe unsere Klinik so sehr, dass ich ihr Lebenslied singen muss und wenn mein Geist dazu nicht ganz ausreicht, hole ich mir meinen Humor zu Hilfe herbei. Und dann wird es mir bestimmt gelingen, mit diesem Buch etwas Freude zu bereiten.“ Es folgen detaillierte Ausführungen zur Geschichte der Villa, welche zum Beispiel zusammenfassend in der Historie der Poliklinik Blasewitz im Dresdner Geschichtsbuch zu lesen sind, aber auch private Erlebnisse aus dem Arbeitsleben und Alltag der Belegschaft. An dieser Stelle sollen einige Aufzeichnungen zur Gründung der Poliklinik wiedergegeben werden:

„Am 01.07.1948 wurde dann die Poliklinik eröffnet. Als Chefarzt war Frau Dr. von Korff eingesetzt. In der Nacht vorher war von den bereits vorhandenen Angestellten durchgearbeitet worden, damit am kommenden Morgen bei der Übergabe alles bereit war. … Um 10.00 Uhr erschienen Abgeordnete der Behörde und der Besatzungsmacht zur Besichtigung der Klinik. Die Herren waren begeistert und dankten.

Unsere Chefärztin Frau Dr. von Korff, die Schülerin von Prof. von Weitzäcker ist, ist Internistin, Röntgenologin und hauptsächlich Neurologin. … Sie ist jederzeit um ihre Kranken und Angestellten bemüht.

In Loschwitz und Umgebung betreut sie viele Kranke, ohne nach dem klingenden Lohn zu fragen. Selbst zu einer Tigerin mit Lähmungserscheinungen wurde sie kürzlich in den Zoologischen Garten gerufen. Es ist der Wunsch aller Kranken und Angestellten, dass sie als Chefärztin noch recht lange der Poliklinik Blasewitz erhalten bleibt.

Der Klinikgarten macht allen Belegschaftsmitgliedern sehr viel Freude. In den Jahren 1948 bis 1950 hatten die meisten von Ihnen, der Notzeit entsprechend, Gemüsebeete im Garten angelegt. Da diese Art der Bepflanzung jetzt nicht mehr notwendig ist, dient er wieder der Freude und zur Zierde.

Dieses kleine Buch wurde zur rechten Zeit geschrieben, denn Anfang des Jahres 1952 verlässt Frau Chefarzt Dr. von Korff die Klinik um sich anderen Aufgaben zuzuwenden. Verschiedene Ärzte und Angestellte folgen Frau Chefarzt nach oder suchen sich andere Wirkungskreise.“

Villa, um 1960Villa, um 1960

Chronik 1988 In der Chronik des Ärztehauses, zusammengestellt anlässlich des 40-jährigen Bestehens im Jahr 1988 kann man lesen: „… Im Frühjahr 1948 wurde das Gebäude erneut frei gelenkt. Auf Grund eines Erlasses der SMAD war verfügt worden, zur Sicherung der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung Polikliniken und Ambulanzen zu errichten. Man überlegte nicht lange und entschloss sich, das Grundstück, das früher einmal Lazarett war, zur Unterbringung einer Poliklinik zu nutzen. Nachdem der Rat der Stadt Dresden die erste Poliklinik in Friedrichstadt und die zweite in Dresden-Trachau eröffnete, folgte am 01.07.1948 die Poliklinik Blasewitz. Eine Reihe von baulichen Veränderungen war notwendig, denn die ehemaligen medizinischen Einrichtungen waren nicht mehr vorhanden. Es musste viel umgebaut und eingerichtet werden und in der damaligen Zeit bedurfte es sehr großer Anstrengungen, um den Eröffnungstermin zu halten. Die Poliklinik, in ihrem bescheidenen Umfang, wurde dem damaligen Krankenhaus Johannstadt angeschlossen. Am Eröffnungstag begannen zu arbeiten: die Innere Abteilung unter Leitung von Frau Dr. von Korff, die Chirurgische Abteilung und die Kinderabteilung unter Dr. Ludwig. Hinzu kamen noch ein Labor und eine physikalische Therapie.

Am 1.September erfolgte die Erweiterung um eine Frauenabteilung und eine Beobachtungsstation mit 17 Betten in der 2.Etage.

Am 20.September 1948 wurde in den Räumen des chirurgischen Röntgens eine Röntgenabteilung eingerichtet. Am 1. Dezember des gleichen Jahres öffnete eine Medikamentenausgabestelle im Erdgeschoss der Kinderabteilung.

Die Ansprache des ärztlichen Direktors und Chefs (Herr OMR Dr. med. Bernhardt) anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Poliklinik Blasewitz ist ein typisches Zeitdokument der damaligen DDR. An eine Textpassage soll hier angeknüpft werden: „… denn, meine verehrten älteren und getreuen Mitarbeiter des Hauses, eines ist für uns wohl doch zu bedenken, dass unser Älterwerden – wie das unserer Poliklinik selbst – wohl ein schön’ Ding sein kann, wenn man dabei niemals verlernt, was „anfangen“ heißt, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“, sagt der Dichter H. Hesse in seinem Stufengedicht.“

Chronik 90-er Einen weiteren Neuanfang erfuhr das Ärztehaus Anfang der 90-er Jahre, als es galt, den Standort zu erhalten und die Poliklinik zu einem Ärztehaus umzustrukturieren. 1998, im Rahmen des Grundstückskaufes und der Gründung der „Ärztehaus Am Blauen Wunder GbR“ sowie der „Ärztegemeinschaft Gautschweg GbR“ und der damit verbundenen baulichen Aktivitäten wurde von den Ärzten der sich gründenden Gesellschaften Pionierarbeit geleistet. Gleiches gilt für die Aktivitäten während und nach den Hochwassern in den Jahren 2002 und 2013. Jetzt, mehr als 69 Jahre nach Gründung der damaligen Poliklinik Blasewitz, sprechen wir vom Ärztehaus Blasewitz, welches durch seine Größe und die Breite der medizinischen Versorgung nicht nur für die Dresdner Bevölkerung von großer Bedeutung ist. Auch der Neuanfang nach der Wiedervereinigung ist gelungen und inzwischen gehen alle niedergelassenen Ärzte sowie die ansässigen medizinischen Komplementäreinrichtungen seit Jahren ihren gewohnten Tätigkeiten im Dienste der Gesundheit nach.

Zukunft Möge das Ärztehaus, seine Belegschaft und die Patienten auch die kommenden gesundheitspolitischen Veränderungen sowie die Höhen und Tiefen der gesellschaftlichen Entwicklungen gut überstehen. Die vielen Jahre seit seinem Bestehen haben, trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen, von der Beständigkeit des Ärztehauses gezeugt – wir wollen diese Tradition fortsetzen.

Übrigens Das Glöckchen an der Giebelseite der alten Villa erinnert heute noch an die Zeit, als Herr Ministerpräsident Walter Schieck (1933 seines Amtes enthoben) mit seiner Gattin und vier Kindern das Haus bewohnte. Es trägt die Inschrift „Eilfertig springt, wenns Glöcklein klingt“. Es rief die Kinder des Hauses zur Mahlzeit.

Villa, Glockenkasten an der Giebelseite, 2014Villa, Glockenkasten an der Giebelseite, 2014

ÄRZTEHAUS BLASEWITZ

Naumannstraße 3
01309 Dresden


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Öffnungszeiten
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Freitag
6.00 – 19.00 Uhr
Samstag + Sonntag
geschlossen

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